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Maximilien de Robespierre (1758 – 1794)

Robespierre
Bild: Marusya Chaika / Shutterstock.com

Maximilien de Robespierre gehörte zu den bedeutendsten Akteuren der Französischen Revolution.

Durch ihn wurde die blutige Schreckensherrschaft eingeführt.

Herkunft Robespierres

Maximilien de Robespierre kam am 6. Mai 1758 in Arras als Maximilien François Marie Isidore de Robespierre auf die Welt.

Seine Eltern waren der renommierte Anwalt Maximilien Barthélémy François de Robespierre (1732-1777) sowie Jacqueline Margarethe Carrault (1735-1764), bei der es sich um die Tochter eines erfolgreichen Brauereiunternehmers handelte.

Maximilien hatte noch zwei Schwestern namens Charlotte (1760-1834) und Henriette (1761-1780) sowie einen Bruder namens Augustin (1763-1794).

Der Ursprung der Familie des Vaters lag in Irland. Weil sie jedoch während der Herrschaftszeit von König Heinrich VIII. (1491-1547) aus religiösen Gründen verfolgt wurde, wanderte sie nach Frankreich aus.

Kindheit und Jugend Robespierres

Maximiliens Mutter starb bereits, als er sechs Jahre alt war. Sein Vater verließ Arras aus Gründen, die nicht bekannt sind. 1777 verstarb er in München.

Maximilien besuchte das Collège in Arras und wurde dort als Musterschüler eingestuft. Es gelang ihm, ein Stipendium für das angesehene Collège Le Grand in Paris zu erwerben, das er ab 1769 besuchte.

Robespierre absolvierte ein Studium von insgesamt zwölf Jahren. Davon entfielen sieben Jahre auf allgemeine Studien sowie weitere vier Jahre auf Studien der Rechtswissenschaft.

Zwischen 1772 und 1774 stieg er sogar zum Klassenbesten auf. 1775 erhielt er eine Auszeichnung als bester Schüler der Universität. Er durfte sogar eine Rede zur Begrüßung von König Ludwig XVI. halten.

Bereits als Student verehrte Robespierre den Schriftsteller und Philosophen Jean-Jacques Rousseau (1712-1778), dem er 1778 einen Besuch abstattete, um ein Gespräch mit ihm zu führen.

Tätigkeit als Anwalt

Im Jahr 1780 konnte Maximilien de Robespierre sein Anwaltsexamen ablegen.

Ein Jahr später erhielt er ein akademisches Lizenziat und eröffnete in Arras eine Anwaltskanzlei. Er kümmerte sich um die unterschiedlichsten Fälle und wurde als „Anwalt der Armen“ verehrt.

1783 erlangte Robespierre sogar Bekanntheit in ganz Frankreich durch den „Blitzableiterfall“. Dabei übernahm er den Fall eines Klienten, der der Gefährdung der Allgemeinheit beschuldigt wurde, weil er in seinem Haus einen Blitzableiter aufgestellt hatte.

Robespierre lobte den Mann als Förderer der Wissenschaft.

Darüber hinaus arbeitete Robespierre als Richter an einem Patrimonialgericht. Der Jurist war jedoch zu diesem Zeitpunkt noch ein Gegner der Todesstrafe. Darum legte er sein Amt nieder, als er ein Todesurteil fällen sollte.

Ab 1783 sprach sich Maximilien de Robespierre in Flugblättern gegen die Vorrechte von Adel und Klerus aus und kritisierte die Sippenhaft.

Außerdem setzte er sich für die Menschen- und Frauenrechte ein. Er trat in die Akademie von Arras ein und stieg bis 1786 zu deren Vorsitzendem auf.

Umzug nach Paris

Noch immer verehrte Robespierre Jean-Jacques Rousseau. Um dessen Staatstheorien politisch umsetzen zu können, begab er sich 1789 nach Paris.

Im Alter von 31 Jahren stieg er zum Delegierten des Dritten Standes für Arras auf und nahm an der Versammlung der drei Generalstände in Versailles teil.

Robespierre und die Nationalversammlung

Die Delegierten des Dritten Standes riefen am 17. Juni 1789 die Nationalversammlung aus.

Als auch Vertreter von Adel und Klerus der Nationalversammlung beitraten, konnten die bisherigen Vorrechte der Kirchenvertreter und Aristokraten abgeschafft werden.

Die Französische Revolution hatte begonnen.

Robespierre, der nun ebenfalls Mitglied der Nationalversammlung war, stellte dort radikale Forderungen.

So verlangte er Pressefreiheit, das Ende der Todesstrafe, das Abschaffen der Sklaverei in den Kolonien sowie das Ende des kirchlichen Zölibats.

Die Mehrheit der gemäßigten Abgeordneten schloss sich Robespierre jedoch nicht an.

In der ersten Verfassung von 1791 stellte sich Robespierre gegen das königliche Vetorecht.

Außerdem setzte er sich für ein allgemeines Wahlrecht für Männer ein.

Als wichtigste Kriterien stellte der Advokat Begabung und Tugend auf. Die Amtszeit für Politiker sollte begrenzt werden.

Robespierre und der Club der Jakobiner

Es dauerte nicht lange, bis Maximilien de Robespierre in der Nationalversammlung als Radikaler betrachtet wurde.

Als der linksorientierte Club der Jakobiner Ende 1789 auf Anregung vom Abbé Sieyès neu ins Leben gerufen wurde, trat der Advokat ihm bei.

Als Versammlungsort der Mitglieder diente die frühere Bücherei des Pariser Jakobinerklosters, woraus sich der Name des Clubs ableitete.

Die Mitglieder waren zumeist Anhänger von Jean-Jacques Rousseau. Zu ihren Zielen gehörte, die mittlerweile konstitutionelle Monarchie durch eine Republik zu ersetzen.

Auf das Volk übte der Club Einfluss durch agitatorische Reden, Flugblätter und Zeitungsartikel aus. Auf diese Weise gewannen die Jakobiner in ganz Frankreich viele Anhänger.

Besonders das einfache Volk, das aus Arbeitern und Kleinbürgern bestand und die Bezeichnung „Sansculotten“ trug, sympathisierte mit den Jakobinern, die Politik für die kleinen Leute machten.

Im März 1790 stieg Robespierre zum Präsidenten des Jakobinerclubs auf. In der Nationalversammlung erhielt er das Amt des stellvertretenden Sekretärs. Außerdem wurde er am Distriktgericht von Versailles Richter.

Obwohl Robespierre radikale Forderungen verbreitete, war er bis 1791 durchaus für die konstitutionelle Monarchie, wenngleich der König seiner Ansicht nach noch immer zu viel Macht besaß. So wollte er ihm nicht erlauben, Entscheidungen über Krieg und Frieden zu treffen.

Als Ludwig XVI. im Juni 1791 seine vergebliche Flucht nach Varennes unternahm und nach Paris zurückgebracht wurde, wandte sich Robespierre endgültig gegen den Monarchen und misstraute ihm zutiefst.

Robespierre und die Jakobiner waren von nun an erklärte Feinde der Monarchie und befürchteten eine Konterrevolution, die die alten Machtverhältnisse wiederherstellen wollte.

Zum Jahresende schied Robespierre als Abgeordneter aus der Nationalversammlung aus. Er selbst hatte sich für das Begrenzen der Amtszeit ausgesprochen.

Robespierre, der mittlerweile als „Unbestechlicher“ verehrt wurde, legte 1792 auch sein Amt als öffentlicher Ankläger am Pariser Kriminalgericht nieder.

Die Jakobiner hatten sich mittlerweile gespalten. So waren die gemäßigten Girondisten, die vorwiegend aus Mittelständlern bestanden, aus dem Club ausgetreten.

Als im Frühjahr 1792 der Erste Koalitionskrieg ausbrach, sprachen die Girondisten sich für den militärischen Konflikt aus. Außerdem gelang es ihnen, die Oberhand in der Regierung zu gewinnen.

Die Jakobiner waren jedoch gegen den Krieg, weil sie befürchteten, dass Ludwig XVI. eine Niederlage zu seinen Gunsten nutzen könnte.

Den König betrachteten sie inzwischen als Gefahr für die gesamte Nation. Die radikalen Jakobiner unter Georges Danton planten sogar eine Rebellion gegen den Monarchen.

Als die preußisch-österreichischen Truppen im August 1792 auf Paris zumarschierten, eskalierte die Situation schließlich im blutigen Tuileriensturm.

Am 10. August stürmten die Aufständischen den Tuilerien-Palast und metzelten die wachhabende Schweizer Garde nieder.

Ludwig XVI. und seine Familie, die sich zunächst in Sicherheit gebracht hatten, wurden auf Befehl der Regierung festgenommen.

Nach dem Sturz des Königs

Der Sturz des Königs bedeutete einen Machtzuwachs für die radikalen Jakobiner. Robespierre trat als Mitglied in die Pariser Kommune ein.

Im September 1792 fand unter den gefangenen Königstreuen, von denen sich die Revolutionäre bedroht fühlten, das sogenannte Septembermassaker statt, das mehrere tausend Menschen das Leben kostete.

Am 21. September schaffte der neue Nationalkonvent die Monarchie ab und rief die französische Republik aus. Militärisch hatte sich die Lage durch den Sieg der Franzosen bei Valmy am Tag zuvor verbessert.

Kurz darauf wurde Robespierre zum Mitglied des Nationalkonvents gewählt, der an die Stelle der Nationalversammlung trat. Auf den König wartete ein Prozess wegen Hochverrat.

Sowohl die Girondisten als auch Georges Danton sprachen sich zunächst für den König aus.

Robespierre, der einst gegen die Todesstrafe war, trat jedoch vehement dafür ein, Ludwig XVI. hinzurichten.

Unterstützung erhielt er dabei von dem Abgeordneten Louis Antoine de Saint-Just. Die beiden erklärten den König zum Verräter und Verbrecher, der den Tod verdiente.

Am 18. Januar 1793 wurde im Nationalkonvent über das Schicksal des Königs abgestimmt. 361 Abgeordnete stimmten für seinen Tod, 331 dagegen.

So fand am 21. Januar seine Enthauptung per Guillotine statt. Dies sollte jedoch erst den Beginn der blutigen Schreckensherrschaft markieren.

In einem Brief sprach sich Robespierre für die Gleichheit aller Menschen vor dem Gesetz und in der Politik aus.

Von der Gleichheit ausgenommen war jedoch das Vermögen. So versicherte der Advokat im April 1793 den vermögenden Franzosen, dass ihr Reichtum sicher sei. Ebenfalls von der Gleichheit ausgenommen blieben die Frauen.

Krieg und Schreckensherrschaft

Aufgeschreckt durch die Hinrichtung Ludwigs XVI. verbündeten sich die meisten Großmächte Europas gegen Frankreich.

Außerdem kam es in der Vendée zu einem Aufstand, was die Situation noch weiter verschärfte.

Darüber hinaus herrschten erneut Brotknappheit und hohe Arbeitslosigkeit, sodass in den Städten immer wieder Revolten aufflackerten.

Um all dieser Probleme Herr zu werden, wurde im April 1793 der sogenannte „Wohlfahrtsausschuss“ gegründet, der sich zumeist aus zwölf Mitgliedern zusammensetzte.

Robespierre trat ihm am 27. Juli bei und nutzte seinen neu gewonnen Einfluss, um gegen jene, die seiner Meinung nach „Feinde der Revolution“ waren, massiv vorzugehen.

Schon bald galt der einstige Idealist als Blutrichter der Französischen Revolution.

Zu seinen eifrigsten Gehilfen zählten Louis Antoine de Saint-Just und Georges Auguste Couthon, der wegen einer Lähmung in einem Rollstuhl sitzen musste. Die beiden erwiesen sich als bedingungslose Gefolgsmänner Robespierres.

Zu den Opfern Robespierres gehörten u. a. Königin Marie-Antoinette sowie die führenden Girondisten.

Offiziell hatte die Schreckensherrschaft mit der Erhebung der Pariser Sansculotten vom 31. Mai bis zum 2. Juni 1793 begonnen. Zahlreiche girondistische Abgeordnete waren dabei verhaftet worden. Außerdem kam es zur Ausschaltung der Girondisten als politischen Machtfaktors.

Auch der Nationalkonvent verlor bis zum Ende von Robespierres Schreckensherrschaft seine Bedeutung als politisches Zentrum.

Stattdessen bestimmten nun der Wohlfahrtsausschuss, die Kommune von Paris sowie der Pariser Jakobinerclub das Geschehen.

Robespierres Tugendstaat

Am 5. September wurde beschlossen, Terrormaßnahmen einzuführen, um sogenannte konterrevolutionäre Aktivitäten zu unterdrücken.

Es kam zur Bildung von ca. 21.000 Überwachungsausschüssen. Die Prozesse führte das Revolutionstribunal, gegen dessen Entscheidungen keinerlei Berufung eingelegt werden konnte.

Auch in den französischen Provinzen entstanden ähnliche Tribunale.

Die Verbreitung des Terrors geschah mit ausdrücklicher Zustimmung durch Maximilien de Robespierre.

Seiner Meinung nach musste das Volk in einem Tugendstaat mit Vernunft geleitet werden, während die Volksfeinde durch Anwendung von Terror zu vernichten waren, wie er am 5. Februar 1794 vor dem Nationalkonvent erklärte.

Den Terror betrachtete Robespierre dabei als Ausfluss der Tugend und als strenge, unbeugsame Gerechtigkeit.

Um die inneren und äußeren Bedrohungen für die Republik in den Griff zu bekommen, sei der Schrecken notwendig, denn ohne den Terror wäre die Tugend ohnmächtig.

Auch die Wirtschaftspolitik wurde den Zielen der Französischen Revolution unterworfen. So galten das Ausrüsten der Armee und das Überwinden der Hungersnot als primäre Ziele.

Auf die wichtigsten Waren mussten Höchstpreise festgesetzt werden. Die staatlichen Aufkäufer waren dadurch in der Lage, billiges Getreide zu erwerben; so konnte auch den Armen eine ausreichende Versorgung ermöglicht werden.

Daher erhielten Robespierre und seine Terrorherrschaft die Unterstützung der Sansculotten.

Allerdings entstand ein Schwarzmarkt, der zum Problem wurde, welches der Wohlfahrtausschuss mit der Todesstrafe gegen Wucherer bekämpfte.

Die Terrorherrschaft breitet sich aus

Bis Ende 1793 hatten Robespierre und seine Getreuen den Wohlfahrtsausschuss zur wichtigsten Machteinrichtung ausgebaut und besaßen unbeschränkte Vollmachten.

Robespierre nutzte diese Macht nun, um rigoros gegen innenpolitische Gegner wie Jacques-René Hébert vorzugehen.

Hébert und seine Anhänger forderten die völlige Abschaffung der christlichen Kirche, was jedoch auf Robespierres Widerstand stieß.

Robespierre trat für das freie Recht auf Religionsausübung ein, sofern dieses Privileg nicht für politische Zwecke missbraucht wurde.

Außerdem missfiel Robespierre das Vorgehen Héberts schon seit Längerem, weil er vollkommen andere politische Auffassungen vertrat.

Aus diesem Grund startete er eine Verleumdungskampagne gegen die Hébertisten und ließ Hébert wegen eines angeblich geplanten Aufstands verhaften, zum Tode verurteilen und am 24. März 1794 öffentlich hinrichten.

Robespierres Auseinandersetzung mit Danton

Robespierres nächstes Ziel war niemand geringerer als Georges Danton.

Danton war im November 1793 nach Paris zurückgekehrt und hatte Robespierre im Kampf gegen die Hébertisten unterstützt.

Allerdings sprach sich Danton zunehmend für das Ende der Terrorherrschaft aus und hielt sie nicht mehr für nötig, weil sich die militärische Situation inzwischen verbessert hatte.

Die Sansculotten hatten seiner Meinung nach ausgespielt, wie er am 1. Dezember 1793 erklärte. Nur mit Vernunft und Geist ließen sich die Errungenschaften der Französischen Revolution auf Dauer bewahren.

Robespierre betrachtete Danton daher als nachgiebig. Dantons Forderung, Verdächtige vor der Verurteilung anzuhören, erfüllte ihn mit Misstrauen.

Noch bevor er Hébert exekutieren ließ, beschloss der sogenannte Unbestechliche auch die Hinrichtung Dantons und seiner Gefolgsleute.

Als Vorwand erklärte Robespierre, dass die Dantonisten ebenso wie die Hébertisten Teil einer ausländischen Verschwörung seien, die Frankreichs Niederlage im Krieg zum Ziel habe.

Danton weilte derweil in Sèvres, um dort einige Tage Urlaub zu machen. Obwohl er vor Robespierre gewarnt wurde, kehrte er am 29. März 1794 unverdrossen nach Paris zurück.

Danton konnte sich einfach nicht vorstellen, dass Robespierre es wagen würde, gegen ihn vorzugehen.

Am 30. März wurde Georges Danton auf Befehl Robespierres verhaftet und zusammen mit einigen Anhängern wie Camille Desmoulins ins Gefängnis gesperrt.

Zwar regte sich im Nationalkonvent Kritik an dieser Vorgehensweise, doch schüchterte Robespierre die widerspenstigen Geister mit Drohungen ein.

„Jeder, der nun zittere, sei schuldig“, ließ er verlauten. Vor einer öffentlichen Überwachung habe die Unschuld nichts zu befürchten.

Louis Antoine de Saint-Just beschuldigte Danton und seine Anhänger, die Revolution rückgängig machen zu wollen und Komplizen des Auslands zu sein.

Danton und seine Getreuen wurden einstimmig vom Nationalkonvent als royalistische Verschwörer vor Gericht gestellt.

Dass sich Danton vor Gericht spitzzüngig verteidigte, nutzte ihm nichts, da der Schuldspruch auf Robespierres Geheiß ohnehin schon feststand.

So wurden Danton und seine Anhänger als Verschwörer gegen die Revolution zum Tode verurteilt und am 5. April in Paris unter der Guillotine hingerichtet.

Allein im April 1794 erfolgte auf Anordnung des Wohlfahrtsausschusses die Exekution von 258 Menschen in Paris. Im Juni 1794 waren es sogar 688 Hinrichtungen.

Der Kult des Höchsten Wesens

Am 7. Mai 1794 führte Robespierre durch ein Dekret den „Kult des Höchsten Wesens“ ein.

Dieses Fest wurde Bestandteil der französischen nationalen Feste und ersetzte den „Kult der Vernunft“, dessen Unterdrückung stattfand.

Nach den Vorstellungen Robespierres sollte der Kult des Höchsten Wesens an die Stelle des Christentums sowie des Katholizismus treten und Einzug in die politisch-gesellschaftliche Mitte halten.

Im Grunde genommen handelte es sich um eine Entchristianisierung, die den deistischen Kult eines Höchsten Wesens vorantreiben sollte. Gleichzeitig wurde der Atheismus zurückgewiesen.

Am 8. Juni 1794 fand in Paris das „Fest des Höchsten Wesens statt“, um den neuen Kult pompös einzuweihen.

Robespierre hielt dabei in den Tuilerien eine Ansprache an das Volk und verbrannte auf einem Scheiterhaufen eine Statue des Atheismus. Aus dem Inneren trat die Statue der Weisheit hervor.

Das Fest wurde auf dem Marsfeld fortgesetzt. Dort befand sich ein Kunstberg, auf dem ein Freiheitsbaum und eine Statue des Höchsten Wesens untergebracht waren.

Das Volk musste anschließend einen Eid auf das Höchste Wesen ablegen.

Mit dem Kult des Höchsten Wesens überspannte Robespierre den Bogen jedoch. So wurde ihm vorgeworfen, von seiner bisherigen Unbestechlichkeit abgekehrt zu sein und sich selbst zu überschätzen.

Von Teilen der Provinzbevölkerung wurde der neue Kult allerdings angenommen. Für einige galt Robespierre sogar als Messias des Höchsten Wesens.

Anfang vom Ende

Am 10. Juni 1794 hatten Robespierre und Saint-Just das Prairial-Dekret erlassen. Demzufolge erhielt der Angeklagte vor dem Revolutionstribunal keinerlei Rechtsbeistand mehr.

Sogar Mitglieder des Nationalkonvents durften ohne Mehrheitsbeschluss vor das Tribunal gestellt werden.

Mit diesem Vorgehen schuf Robespierre jedoch ein Klima der Angst im Nationalkonvent, das ihm schließlich zum Verhängnis werden sollte.

Mit Beginn des Prairial-Dekrets ergingen 1579 Todesurteile, sodass sich niemand mehr sicher fühlte.

Der Sturz des Tyrannen Robespierre

Im Juli 1794 herrschte Robespierre wie ein Diktator über Frankreich. In nur 49 Tagen wurden 1376 Menschen zum Tode verurteilt.

Nach mehreren Wochen Pause trat der Unbestechliche am 26. Juli wieder für eine Rede vor das Parlament. Dabei stellte er erneut klar, dass ausschließlich der Terror der Unschuld Sicherheit verschaffen konnte.

Möglichkeiten, die bisherige Krise zu beseitigen, zeigte er nicht auf, obwohl sich die militärische und wirtschaftliche Situation weiter verbessert hatte.

Anstatt den Terror jedoch nun zurückzufahren, wollte ihn Robespierre noch weiter verschärfen.

Er kündigte an, alle Verräter hart zu bestrafen, nannte jedoch keine Namen.

Des Weiteren beschimpfte er die Verwaltungsspitzen als „altbekannte Schelme“.

Den Mitgliedern des Konvents wurde klar, dass Robespierres nächste Terrorwelle jeden von ihnen treffen konnte. Um das eigene Überleben zu sichern, musste der Tyrann also gestürzt werden.

In der Nacht setzten sich unterschiedliche Politiker zusammen und bildeten eine Koalition gegen Robespierre und seine Anhänger. Manche von ihnen wollten auch selbst nach der Macht greifen.

Mit seiner eigenen Politik hatte Robespierre die Grundlagen für seinen Sturz geschaffen und damit sein Schicksal besiegelt.

Eine maßgebliche Rolle bei der Verschwörung spielte Joseph Fouché (1759-1820), der spätere Polizeiminister unter Napoleon Bonaparte.

Fouché brachte die verschiedenen Oppositionellen zusammen, beteiligte sich aber offiziell nicht und erschien erst wieder im Konvent, als alles vorüber war.

Der 9. Thermidor

Am 27. Juli, dem 9. Thermidor des Revolutionskalenders, fand im Parlament eine Debatte über den Wohlfahrtsausschuss statt.

Als Robespierre das Wort ergreifen wollte, kam er nicht dazu, weil sich seine Gegner plötzlich gegen ihn wandten und sowohl seine Verhaftung als auch die von Saint-Just und Couthon forderten.

Völlig überraschend erging ein beinahe einstimmiger Beschluss über die Verhaftung der drei. Robespierre wurde festgenommen und abgeführt.

Nur wenig später gelang es Robespierre jedoch, sich mithilfe der Sansculotten zu befreien.

Auch seine Freunde wurden aus dem Kerker geholt und bezogen Stellung im Pariser Rathaus. Dort trafen sie Vorkehrungen für einen Aufstand gegen den Nationalkonvent.

In der Nacht zogen die Aufständischen aber die Nationalgarde unter dem Kommando des Pariser Staatsanwaltes Léonard Bourdon (1754-1807) zusammen.

Gemeinsam mit Paul de Barras (1755-1829), dem späteren Präsidenten des Nationalkonvents, führte er in der Nacht des 28. Juli die Kolonne zum Angriff auf Robespierre an.

Dieser genoss kaum noch Rückhalt in der Bevölkerung.

Als es zum Sturm auf das Rathaus kam, fielen Schüsse. Robespierre stürzte plötzlich zu Boden.

Ob er während des Gefechts angeschossen wurde oder versuchte, Selbstmord zu verüben, wie einige seiner Getreuen, ließ sich nicht mehr feststellen.

Der an Mund und Kiefer schwer verletzte Robespierre erhielt eine notdürftige ärztliche Behandlung.

Ohne dass ein Prozess stattfand, wurden Robespierre, Saint-Just, Couthon und 19 weitere Robespierristen zum Tode verurteilt und unter der Guillotine am 28. Juli auf dem Platz der Revolution hingerichtet.

Zu den Opfern gehörte auch Robespierres jüngerer Bruder Augustin.

In den folgenden Tagen fanden 83 weitere Anhänger Robespierres den Tod.

Auch in den französischen Provinzen löste der „weiße Terror“ den „roten Terror“ ab.

Ende der Schreckensherrschaft Robespierres

Mit dem Sturz und Tod von Maximilien de Robespierre endete die Schreckensherrschaft.

Für kurze Zeit hatte der Große Terror bewirkt, dass sich die Kräfte im militärischen Kampf bündelten, wodurch der Sieg über die inneren und äußeren Feinde erreicht wurde.

Auf lange Sicht schwächte Robespierre, der als einer der bedeutendsten Redner der Französischen Revolution galt, jedoch die Revolutionsbewegung.

So fielen seinem Terror zahlreiche fähige Republikaner zum Opfer. Damit fraß die Revolution letztlich ihre eigenen Kinder, zu denen auch Robespierre gehörte.

Robespierres größtes Versagen bestand darin, die Ideen der Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit in Blut zu ertränken.

Diese negative Einwirkung machte sich auch außerhalb Frankreichs bemerkbar.

Vor allem in Deutschland wandten sich viele Menschen, die zunächst positiv von der Französischen Revolution angetan waren, mit Schaudern von ihr ab und kehrten zu konservativeren Ansichten zurück.