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Der Zug der Marktfrauen nach Versailles

Am 5. und 6. Oktober 1789 fand der Zug der Marktfrauen nach Versailles statt.

Dadurch wurde der König zum Umzug nach Paris gezwungen.

Vorgeschichte

Im Spätsommer des Jahres 1789 schien sich die angespannte Lage in Frankreich wieder zu beruhigen. So hatte die Nationalversammlung am 26. August die Erklärung der Bürger- und Menschenrechte verabschiedet.

Es entstanden rechtsstaatliche Prinzipien wie Meinungsfreiheit, Freiheit der Religion, Gewaltenteilung, Pressefreiheit sowie die Souveränität des Volkes.

König Ludwig XVI. leistete jedoch weiterhin hinhaltenden Widerstand und wollte die Erlasse vom 4. August, die u. a. die Abschaffung der Feudalherrschaft und der Steuerprivilegien des Adels umfassten, nicht unterzeichnen.

Außerdem waren die Lebensmittel im Land nach wie vor knapp. In der Hauptstadt Paris brachen immer wieder Tumulte aus.

Diese Tumulte dienten dem König als Anlass, das Flandernregiment mit eintausend Soldaten aus Nordfrankreich nach Versailles zu beordern.

Er hoffte, sich auf diese Weise mehr Rückhalt gegenüber der Nationalversammlung verschaffen zu können.

Die Abgeordneten der Nationalversammlung befürchteten nun ein militärisches Vorgehen des Königs.

Wirtschaftliche Probleme

Weil die Oberschicht von Paris aufgrund der Revolutionswirren die Flucht aus der Stadt ergriffen hatte, wurden keine Luxusgüter mehr hergestellt.

Dies führte wiederum zu einem deutlichen Anstieg der Arbeitslosigkeit. Zahlreiche Frauen und Tagelöhner büßten ihren ohnehin schmalen Verdienst ein.

Die Preise für Brot stiegen jedoch unaufhaltsam. Die Müller und Bäcker streckten das Mehl mit Gips, was wiederholt zu Ausschreitungen gegen sie führte.

Anlass für neue Unruhen

Am 1. Oktober 1789 ließ Ludwig XVI. ein Bankett zu Ehren der ihm treu ergebenen Offiziere veranstalten. Dabei feierten die Militärs nur den König, nicht aber die Nation.

Während der Veranstaltung entfernten die Offiziere die blau-weiß-rote Kokarde, die als Symbol der Französischen Revolution galt, von ihren Uniformen. Dann zertraten sie sie voller Verachtung.

Es dauerte nicht lange, bis die Bevölkerung in Paris davon hörte und wütend auf den König reagierte, was zu öffentlicher Empörung führte.

Die Poissarden

Am 5. Oktober 1789 kam es in Paris zur Versammlung der sogenannten Poissarden, auch Fischweiber genannt.

Gemeint waren damit die Marktfrauen des Pariser Fischmarkts.

Es versammelten sich mehrere tausend Frauen vor dem Rathaus der Hauptstadt, wo sie Brot forderten.

Der Pariser Bürgermeister Bailly weigerte sich jedoch, sie anzuhören.

Schließlich beschlossen sie, einen Zug zum königlichen Schloss von Versailles zu wagen, um direkt bei Ludwig XVI. Gehör für ihre Forderungen zu finden.

Dabei riefen sie immer wieder: „Versailles schlemmt, Paris hungert!“.

Der Zug setzte sich aus ungefähr 6000 Marktfrauen und weiteren Sympathisanten zusammen, die mit Gewehren, Piken, Säbeln und Äxten bewaffnet waren.

Unterstützung erhielten sie im Laufe des Tages von etwa 1500 mit Geschützen bewaffneten Nationalgardisten.

Angeführt wurden sie von ihrem Kommandanten, dem General de La Fayette.

Der König nach Paris!

Gegen Mitternacht erreichte der Zug der Marktfrauen Versailles, wo er zunächst in den Sitzungssaal der Nationalversammlung eindrang.

Später begaben sich die Frauen mit den Soldaten an ihre Feuerstellen, um ihre vom Regen durchnässten Kleider zu trocknen.

Gegen Morgengrauen gelang es einigen der Demonstranten, durch einen unbewachten Eingang ins Schloss vorzudringen.

Weil es zu einer Schlägerei kam, bei der zwei königliche Türwächter ihr Leben verloren, eskalierte die Situation.

Die Menge reagierte wütend und drang in den Palast ein. Sie stiegen die Treppen zu den königlichen Gemächern hinauf.

Bevor sie Königin Marie Antoinette erreichen konnten, wurde diese gewarnt und floh in den Flügel ihres Gemahls.

Um eine weitere Eskalation zu vermeiden, griff nun General de La Fayette ein und ließ den Zugang zu den Gemächern von seinen Truppen versperren.

Ohne Blutvergießen konnten die Soldaten die aufgebrachte Menge wieder aus dem Palast befördern.

Vor dem Schloss forderten die Demonstranten jedoch das Erscheinen des Königs.

Ludwig XVI. gab schließlich nach und zeigte sich mit Frau und Kind dem Volk.

Als der König die Lieferung von Lebensmitteln versprach, beruhigte sich die Lage wieder.

Er zeigte sich außerdem endlich bereit, die Dekrete der Nationalversammlung zu unterschreiben, und die Vorrechte des Adels wurden abgeschafft.

Allerdings verlangte die Menge nun, dass der König nach Paris kommen solle. Dies tat sie solange, bis Ludwig XVI. schließlich nachgab und seinen Umzug in die Hauptstadt verkündete.

Umzug in die Hauptstadt

Noch am frühen Nachmittag des 6. Oktobers bewegte sich der Zug der Marktfrauen wieder nach Paris.

Dabei wurde er von Nationalgardisten begleitet, die Wagen mit Brot und Mehl eskortierten. Auf ihren Bajonetten steckten Brotlaiber.

Die Soldaten des Palastes und die königliche Schweizer Garde schlossen sich an.

De La Fayette eskortierte die Kutsche des Königs sowie dessen Hofgefolge sicher nach Paris.

Hunderte Mitglieder der Nationalversammlung in Versailles begleiteten den Zug ebenfalls.

Obwohl es regnete und der Untergrund schlammig war, zeigte sich die Menge bester Laune und sang „Wir bringen den Bäcker, die Frau des Bäckers und den Sohn des Bäckers!“.

Die mit Flinten und Piken bewaffneten Marktfrauen waren sicher, dass die Lebensmittelkrise durch die Rückkehr des Königs nach Paris nun ihr Ende fand.

Der König bezieht den Tuilerien-Palast

Bei seiner Ankunft in Paris wurde der König im Rathaus begrüßt; er trug an seinem Hut die blau-weiß-rote Kokarde der Revolution.

Anschließend wurden Ludwig XVI. und seine Familie zum Tuilerien-Palast gebracht, in dem seit mehr als einhundert Jahren kein König mehr gelebt hatte.

Um in der Nähe des Königs sein zu können, begab sich auch die Nationalversammlung von Versailles nach Paris, in eine Reithalle neben dem Palast.

Weiterer Verlauf

Nach dem Marsch der Marktfrauen und dem Umzug des Königs nach Paris schien die Französische Revolution ein gutes Ende zu nehmen.

So hatte der König in den wesentlichen Punkten nachgegeben und die Vorherrschaft des Adels schien gebrochen zu sein.

Die Nationalversammlung übernahm nun die schwere Aufgabe, im Rahmen der Verfassung für eine neue Gesellschaftsordnung zu sorgen.

Für Ludwig XVI. bedeutete der Umzug in den Tuilerien-Palast jedoch, dem Einfluss der Pariser Bevölkerung sowie den politischen Gegnern der Monarchie ausgeliefert zu sein.