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Die zweite Phase der Französischen Revolution (1792 bis 1794)

Mit der zweiten Phase erreichte die Französische Revolution ihren Höhepunkt.

Diese Phase wurde geprägt von der blutigen Schreckensherrschaft.

Die Hochphase der Französischen Revolution

Die zweite Phase der Französischen Revolution war für Frankreich und seine Bürger mit gewaltigen Umwälzungen verbunden. Sie begann im April 1792 mit dem Ausbruch des Ersten Koalitionskrieges und führte zu Sturz und Hinrichtung des Königs.

Frankreich wurde zur Republik ausgerufen und der sogenannte Wohlfahrtsausschuss unter dem Jakobiner Maximilian Robespierre leitete die Phase des Terrors ein. Der Terror entglitt den Beteiligten immer mehr und endete erst mit der Hinrichtung Robespierres und seiner Getreuen im Juli 1794.

Ausbruch des Ersten Koalitionskrieges

Nach der gescheiterten Flucht der königlichen Familie, die in dem Ort Varennes ihr Ende fand, blieb Ludwig XVI. zwar als König weiterhin im Amt, galt jedoch als unzuverlässig.

In der Deklaration von Pillnitz vom 27. August 1791 hatten die europäischen Großmächte Österreich und Preußen Ludwig XVI. ihre Unterstützung ausgesprochen. Die Franzosen fassten die Deklaration jedoch als direkte Kriegsdrohung auf und auf beiden Seiten konnten sich die Befürworter des Krieges durchsetzen.

Insgeheim kam auch Ludwig XVI. der Ausbruch des Koalitionskrieges durchaus gelegen. So hoffte er, dass es den Preußen und Österreichern ein Leichtes sein würde, die schlecht ausgerüsteten französischen Streitkräfte zu schlagen. Der König wollte dann als Retter in der Not auftreten und seine alte Macht wieder zurückverlangen.

Auch General de La Fayette und seine Anhänger standen dem Krieg positiv gegenüber, weil sie sich in ihm das Stabilisieren der Revolution und ihrer eigenen Lage erhofften. So herrschte in Frankreich allgemeine Kriegsbegeisterung, nur Robespierre sprach sich dagegen aus.

Am 20. April 1792 kam es schließlich zum Ausbruch des Ersten Koalitionskrieges. Die Franzosen gingen zunächst in Belgien zum Angriff über, wurden jedoch von militärisch überlegenen Österreichern und Preußen zurückgeschlagen, die nun ihrerseits bis nach Frankreich vordrangen.

Aufstieg der Jakobiner

Im Sommer hatte sich die Kriegsbegeisterung der Franzosen in Angst und Misstrauen gewandelt. So witterten die Radikalen überall Verrat und aktivierten ihre Pariser Sektionen. Schon bald gehörten mit Piken bewaffnete Sansculotten zum alltäglichen Straßenbild von Paris.

Geführt wurden die Radikalen von dem Arzt Jean Paul Marat (1743-1793) und dem Rechtsanwalt Georges Danton (1759-1794). Danton gelang es, in der Stadtregierung von Paris eine führende Position einzunehmen.

Marat, der unter einer Hautkrankheit litt und deswegen stundenlang baden musste, schrieb radikale Schriften. Sowohl Danton als auch Marat waren Teil der 1789 gegründeten Jakobiner.

Wegen anhaltender Differenzen hatten sich die Jakobiner immer wieder gespalten. Nun vertraten sie die Interessen von Arbeitern und Bauern. Außerdem gab es eine Gruppe für die mittelständischen Bürger. Diese trennte sich jedoch von den Jakobinern und nannte sich fortan Girondisten.

Im Gegensatz zu den Girondisten sprachen sich die Jakobiner gegen den Krieg aus, weil sie befürchteten, dass der König dadurch wieder an Macht gewinnen könnte. Stattdessen wollten sie Ludwig XVI. lieber stürzen und planten einen Aufstand gegen ihn.

Sturz des Königs

Als sich im Sommer die militärische Lage noch weiter verschlechterte und der Herzog von Braunschweig, der die alliierten Truppen anführte, die Pariser eindringlich warnte, dass er die französische Hauptstadt zerstören würde, wenn dem König ein Leid geschähe, eskalierte die Situation. Die ohnehin schon empörten Franzosen wurden von den Jakobinern noch weiter aufgehetzt.

Die aufgebrachte Menge forderte die sofortige Absetzung des Königs. Am 9. August 1792 drohte in Paris ein offener Aufstand.

Die Volksvertreter standen der Situation ratlos gegenüber. Zahlreiche Soldaten schlossen sich der aggressiven Volksmenge an, die auf den Tuilerien-Palast zuströmte.

Der König und seine Familie begaben sich am Morgen des 10. August mit einigen Adligen in den benachbarten Sitzungssaal der Nationalversammlung. Der Palast wurde nur noch von einigen Schweizer Gardisten und Adligen verteidigt. Gegen den Widerstand der Schweizer Soldaten wurde der Tuilerien-Palast gewaltsam gestürmt, was Hunderte von Toten zur Folge hatte.

Unter dem Druck der wütenden Volksmassen gab die Nationalversammlung nach und erklärte den König, der mit seiner Familie verhaftet wurde, für abgesetzt. Mit der revolutionären Pariser Kommune war jedoch ein neuer Machtfaktor ins Spiel gekommen.

Die Herrschaft des Schreckens warf im August 1792 ihre ersten Schatten. So fanden willkürlich Hausdurchsuchungen und Verhaftungen statt, die vor allem jene betrafen, die der Revolution kritisch gegenüberstanden.

Die Septembermassaker

Einen ersten blutigen Höhepunkt erlebte der Terror während der Septembermassaker vom 2. bis 6. September. Dabei wurden mehr als 1200 Revolutionsgegner sowie weitere unbeteiligte Häftlinge im Zuge einer Massenhysterie brutal ermordet. Rund 90 Prozent aller Morde ereigneten sich in Paris.

Zahlreiche Adlige ergriffen die Flucht ins Ausland. Darunter befand sich auch General de La Fayette, der dabei in österreichische Gefangenschaft geriet.

Frankreich wird Republik

Militärisch wendete sich die Lage durch die Kanonade von Valmy am 20. September 1792 mit einem französischen Sieg zu Gunsten der Revolution, und die Preußen und Österreicher mussten zunächst den Rückzug antreten.

Nur einen Tag später kam es zur Zusammenkunft des neu gewählten Nationalkonvents in Paris. Er übernahm die Aufgabe, eine Verfassung für eine Französische Republik festzulegen. Nach dem Willen des Konvents durfte Frankreich nie wieder von einem König beherrscht werden. Ähnlich wie die Regierung der Vereinigten Staaten von Amerika sollte das Grundprinzip der Volkssouveränität bestehen.

Das Schicksal des Königs

Während die gemäßigten Girondisten den König in Haft belassen wollten, forderten die radikalen Jakobiner unverhohlen seinen Tod. Beendet wurde der Streit durch den Fund von belastenden Dokumenten Ludwigs XVI., die bewiesen, dass der König sich tatsächlich mit den Feinden der Revolution verbündet hatte.

Auch die Girondisten stimmten nun einem Prozess gegen Ludwig XVI. zu, in dessen Verlauf er zum Tode verurteilt und am 21. Januar 1793 unter der Guillotine hingerichtet wurde.

Die Radikalisierung setzt sich fort

Die Hinrichtung Ludwigs XVI. rief das Entsetzen der europäischen Herrscher- und Fürstenhäuser hervor. Auch die militärischen Erfolge der Revolutionäre, die bis an den Rhein vordrangen, erfüllten sie mit Sorge. Die Französische Revolution drohte nun, auf die benachbarten Länder überzugreifen, wodurch sich Königtum und Adel in Gefahr sahen.

Auf Drängen von Großbritannien und seinem Premierminister William Pitt (1759-1806) bildete sich ab dem 1. Februar 1793 eine europäische Koalition gegen Frankreich, was erneut zu einer Wende des Kriegsgeschehens führte, sodass die französische Regierung weitere 300.000 Soldaten ausheben musste.

Zu allem Überfluss kam es in der Provinz Vendée in Westfrankreich zu einem Aufstand, weil sich die armen Bauern, die weiterhin treu zur katholischen Kirche standen, weigerten, Soldaten für den Krieg zu stellen. Darüber hinaus brachen durch wirtschaftliche Probleme, steigende Brotpreise und zunehmende Arbeitslosigkeit in verschiedenen Städten Unruhen aus.

Der Wohlfahrtsausschuss

Weil die Regierung nicht in der Lage war, mit den Problemen fertigzuwerden, wurden vom Nationalkonvent im März 1793 ein Revolutionstribunal sowie der sogenannte Wohlfahrtsausschuss eingesetzt. Dieser Ausschuss erhielt weitreichende Vollmachten. Zunächst übernahm Georges Danton die Leitung, später wurde sie Maximilian Robespierre zuteil. Das Revolutionstribunal nahm die Aufgabe wahr, Urteile über Gegner der Revolution zu fällen.

Als neue Sündenböcke dienten fortan die Girondisten, von denen die Regierungsämter bekleidet wurden. Sie wurden für sämtliche Probleme der jungen Republik von den Jakobinern verantwortlich gemacht, die verlangten, dass man sie einsperrte.

Aufstand der Sansculotten

Vom 31. Mai bis zum 2. Juni 1793 kam es in Paris zum Aufstand der radikalen Sansculotten, die das Volk aufstachelten und mit Soldaten in den Konvent einfielen. 29 Girondisten wurden dabei verhaftet. Auf diese Weise brachten die Jakobiner den Nationalkonvent unter ihre Kontrolle.

Einigen Girondisten gelang es jedoch, in die Provinzen zu entkommen, wo sie Truppen für einen Gegenschlag aufstellen wollten. Dabei fanden sie Unterstützung bei den Royalisten, die sich wieder einen König auf dem Thron wünschten. Ende Juni brach ein Aufstand in den meisten Provinzen gegen den Nationalkonvent aus, sodass die Jakobiner in eine fatale Lage gerieten.

Um das Volk zu beruhigen, setzten sie eine neue Verfassung in Gang, die die Provinzen und die Bauern begünstigte. Die französischen Häfen wurden indessen von der britischen Flotte blockiert und es herrschte eine Missernte.

Am 13. Juli 1793 fiel Jean Paul Marat einem tödlichen Attentat durch Charlotte Corday zum Opfer, die ihn in seiner Badewanne erdolchte. Der radikale Agitator wurde zum Märtyrer der Revolution erklärt.

Aufstieg Robespierres

Ende Juli 1793 trat Maximilian Robespierre in den Wohlfahrtsausschuss ein und brachte es schließlich zu dessen Leitung. Damit stieg er zum mächtigsten Mann Frankreichs auf. Robespierre bestimmte, dass jeder, der sich gegen die Revolution äußerte, ein Verräter sei und deshalb den Tod verdiene. Mit dem Blut der Feinde sollte die Französische Revolution gerettet werden. Die nun folgende Terrorwelle ging als „Schreckensherrschaft“ in die Geschichte ein.

Nach Ansicht von Robespierre sei die Regierung umso wohltätiger gegenüber den braven Bürgern, je grausamer sie sich gegenüber den Verrätern verhielt. Dies sei der Wille der Tugendhaften und jener, die im Besitz der Wahrheit seien. Alle, die gegen den Gemeinwillen vorgingen, befanden sich außerhalb der aufgeklärten Gemeinschaft. Entweder änderten die Betroffenen ihre Meinung oder wurden mit dem Tod bestraft, wie Robespierre verlauten ließ.

In der Terrorherrschaft sah Maximilien de Robespierre ein notwendiges Übel, damit das Volk bereit für Jean-Jacques Rousseaus angestrebten Gesellschaftsvertrag wurde. Nach seiner Meinung war Terror ohne Tugend verhängnisvoll, ohne Terror die Tugend jedoch ohne Macht.

Die Herrschaft des Terrors

Viele Menschen fielen Robespierres Schreckensherrschaft zum Opfer. Zu den prominentesten Angeklagten zählte Königin Marie-Antoinette. Die Beschuldigungen gegen sie ließen sich kaum beweisen, dennoch wurde sie zum Tode verurteilt und am 16. Oktober 1793 wie zuvor ihr Gemahl Ludwig XVI. unter der Guillotine hingerichtet.

Es folgten noch viele weitere Hinrichtungen. Am 31. Oktober verloren die verurteilten Girondisten auf dem Schafott ihre Köpfe, wobei sie bis zuletzt voller Überzeugung die Marseillaise sangen. Auch Priester, die den Eid auf die Verfassung verweigerten, sowie gemäßigte Feuillants wurden hingerichtet.

Zu Robespierres Opfern zählte außerdem die Frauenrechtlerin Olympe de Gouges. Sie hatte ein Manifest über die Rechte der Frau und Bürgerin verfasst und war eine persönliche Feindin Robespierres. Am 3. November 1793 fand sie deswegen unter der Guillotine den Tod.

Allein in Paris kam es zu über 2600 Todesurteilen und Hinrichtungen. Dazu gehörten auch Wucherer und Börsenschwindler. In den Provinzen fanden weitere zahlreiche Hinrichtungen statt.

Die Revolutionsregierung ging massiv gegen die katholische Kirche vor und erließ ein Konventsdekret, nach dem jede Gemeinde das Recht erhielt, die Religion abzulegen. Am 6. Dezember trat jedoch ein Dekret in Kraft, dass auch weiterhin die freie Religionsausübung gestattete.

Terror in ganz Frankreich

Militärisch konnten die Revolutionäre die Lage wieder zu ihren Gunsten wenden, da die Alliierten keine gemeinsame Taktik fanden. Mithilfe des jungen Artilleriehauptmanns Napoleon Bonaparte gelang es, die wichtige Hafenstadt Toulon wieder zurückzuerobern. Nach der Räumung der Stadt durch die Briten kam es zu ihrer Zerstörung, bei der hunderte Bürger den Tod fanden. Ähnliches wiederholte sich in anderen abtrünnigen Städten wie Marseille.

Der Terror nahm schließlich solch ein Ausmaß an, dass die Richter Angst davor hatten, milde Urteile zu fällen.

Machtkampf zwischen Robespierre und Danton

Selbst Georges Danton war das Ausmaß des Terrors mittlerweile zu weit gegangen, sodass er versuchte, mäßigend einzuwirken. Zunächst verbündete sich Danton mit Robespierre gegen die Hébertisten, denen unterstellt wurde, für William Pitt zu arbeiten.

Als sich Danton jedoch für die Mäßigung des Terrors einsetzte, kam es zum Konflikt mit Robespierre. Dieser beschloss, nicht nur Jacques-René Hébert und dessen Anhänger hinrichten zu lassen, sondern auch Danton und seine Getreuen wie Camille Desmoulins. So ließ er am 30. März 1794 Danton sowie einige seiner Anhänger verhaften und in einem Schauprozess als royalistische Verschwörer anklagen und zum Tode verurteilen.

Am 5. April wurden Danton, Desmoulins und einige andere öffentlich hingerichtet. Schon am 24. März hatten Hébert und seine Anhänger ihre Köpfe verloren.

Ende der Schreckensherrschaft

Auch nach dem Ende von Danton und Hébert ließ die Schreckensherrschaft nicht nach. Robespierre ließ sogar den Kreis der Verdächtigen beliebig erweitern. Verteidiger wurden vor dem Revolutionstribunal nicht mehr zugelassen. Vom 10. Juni bis 27. Juli 1794 erreichte der Terror mit 1285 Todesurteilen einen weiteren traurigen Höhepunkt.

Im Nationalkonvent ging nun die Angst um, dass es fortan jedes Mitglied treffen könnte. Es fanden sich nun kaum noch Anhänger für Robespierres Kurs, sodass er schließlich entmachtet werden sollte. Der Konvent beschloss am 27. Juli beinahe einstimmig, sowohl Robespierre als auch seine treuen Helfer wie Saint-Just und Georges Couthon zu verhaften.

Robespierre konnte sich zunächst jedoch befreien und mit seinen Anhängern ins Rathaus fliehen. Der Konvent ließ das Rathaus durch die Nationalgarde stürmen, wobei Robespierre schwer am Kiefer verletzt und gefangengenommen wurde.

Am Morgen des 28. Juli 1794 erfolgte die Hinrichtung des verletzten Robespierres sowie von Saint-Just und Couthon ohne Prozess, sodass sich nun der Terror gegen sie selbst wendete. 83 Getreue von Robespierre fanden in den kommenden Tagen ebenfalls den Tod.

Die Schreckensherrschaft der Jakobiner und damit auch die ereignisreiche zweite Phase der Französischen Revolution fand damit ihr Ende. Die bürgerlichen Mitglieder des Nationalkonvents übernahmen die Macht und sicherten dem Großbürgertum wieder seine Vormachtstellung. Viele Probleme blieben jedoch bestehen.